Früher? Barndoor VW Bus aus dem Wald

Da lagen sie, die “sterblichen Überreste” eines sehr alten VW Busses. Ist es denn “ethisch korrekt” diesen Haufen an rostigem Metall noch zu bergen?

Fünzig Jahre, oder sogar noch länger lag ein alter VW Bus im Wald. Zumindest zwei Drittel seines ganzen Lebens, lag er einfach dort, rostend, auseinanderfallend. Man könnte tatsächlich von seinem Grab sprechen, unten in dem Loch, an das ihn jemand entsorgt haben muss.

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Vorneweg: Es waren keinerlei Fahrgestellnummern mehr am Blech zu finden. Dafür kommen zwei mögliche Szenarien in Frage. Entweder der letzte Besitzer hat die Nummern absichtlich herausgetrennt, damit er für seine Entsorgung nicht belangt werden kann, oder der Rost hat diesen Job für ihn übernommen. Es macht jedenfalls den Anschein, als hätte tatsächlich jemand die Nummern herausgeschnitten, weil die jeweiligen angrenzenden Blechteile, wenn auch im rostigen Zustand, gefunden wurden. Aber mehr zur Identifikation über die Fahrgestellnummer später! Starten wir mit der Geschichte, wie dieser arme Bus letztendlich gefunden wurde:

Alles begann im Herbst 2020, als ein Foto von einem VW Barndoor-Wrack (Scheunentor = große Heckklappe) auf Instagram auftauchte. Viel war laut Foto nicht mehr übrig vom Bus, aber es war offensichtlich, es musste sich um einen der ersten gebauten VW Busse, einen Barndoor handeln, der da in einer Waldgrube lag. Ein 14-Jähriger hatte den Bus beim Suchen von alten Münzen mit seinem Metalldetektor im Wald entdeckt.

Als nächstes gingen wir gemeinsam an die Fundstelle, um nachzusehen, was tatsächlich noch übrig war. Nun gut, viel war es nicht. Aber durch die schräge Rückenlage war sofort klar, es musste sich um einen der ersten gebauten VW Busse handeln. Genauer gesagt, zwischen 1951 und 1953. Wir entschlossen einen Plan auszuhecken, wie wir den Bus aus Wald und aus seiner Grube bergen konnten.

Ein paar Wochen später, der erste Schnee war schon wieder geschmolzen, hatten wir einen Termin freigeräumt und das nötige Equipment beisammen. Obwohl das Wetter nicht wirklich gut aussah, fuhren wir mit Sack und Pack in den Wald hinaus. Vor allem machte uns das Wetter sorgen, weil wir eine unbefestigte Straße im Wald hinter uns bringen mussten, in beide Richtungen. Ich traute mir nicht einmal die Wettervorhersage zu checken, weil Regen uns massiv die Tour versauen hätte können. Aber wir hatten Glück, es blieb trocken, bis zu dem Zeitpunkt an dem wir wieder Zuhause waren.

Warum dieser Barndoor-Bus noch immer da war..

Auch die letzten Meter ohne Weg schafften wir durch den Wald und da waren wir. Direkt neben eine vier Meter tiefen Grube, mit einem Traktor und einem Holzrückewagen mit Kran(!) Wir fingen an zu graben. Schnell kristallisierte sich heraus, dass das Wrack auf vielen flachen Steinen lag. Möglichweise der Grund warum all die Reste des Busse überhaupt noch an Ort und Stelle und nicht in den Boden versunken waren. Auf der anderen Hand sahen wir erstmals so richtig, wie stark die übriggebliebenen Teile verrostet waren. Auf den Fotos und dem Video ist es schwer zu erkennen, aber die Bleche sind durch den Rost über die Jahre sehr sehr dünn geworden. Was auf Fotos rettbar aussieht, ist in Wirklichkeit äußerst instabil und wackelig.

As found – 1952 VW Barndoor in the austrian woods

Mit dem Kran hoben wir die großen zusammenhängenden Teile aus der Grube. Schnell hatten wir den “hinteren Teil” im Traktoranhänger verstaut. Der hintere Achsenteil und die hinteren übriggebliebenen Karosserieteile hingen an einem Teil. Auch der “vordere Teil” war schnell aus der Grube gehoben. Front Maske und vordere Achsenpartie inklusive. Folgende rostige Teile wurden per Hand geborgen: Fahrertür, Beifahrertür, der komplette Metallrahmen der vorderen Sitzbank mit Federn, kleiner Fensterteile und Teile der Türschlösser und eine unzählbare Menge an rostigen nicht zuordenbaren Metallteilen. Der vordere Barndoor-typische Tachberich über der Fahrerkabine ist in einem wirklich guten Zustand. Der komplette Unterboden war natürlich durchgerostet..

The bus did rest in a four meters deep pit

Die schwere Bergearbeit wurde zum Glück vom Kran übernommen. Schon bald hatten wir den “hinteren Teil” aus der Grube herausgehoben und auf den Rückewagen aufgeladen. Der hintere Fahrgestellteil und das Getriebe hingen noch an den hinteren Karosseriefetzen mit dran. Das selbe Prozedere dann noch mit dem verbliebenen Vorderteil, inklusive Frontmaske und vorderem Bodenteil. Folgende Teile wurden danach per Hand geborgen: Fahrertür, Beifahrertür, das komplette Sitzgestell der vorderen Sitzbank, Kleinteile der Fenster und Türschlösser und haufenweise unerkenntliche verrostete Metallstücke. Der vordere barndoor-spezifische Dach-Teil ist noch in einem sehr guten Zustand! Der Unterboden samt Rahmenteile war natürlich komplett durch..

Der Überraschungsfund: Barndoor Heckklappe unter…

Der größte Überraschungsfund… (wir glaubten bis zum Schluss nicht mehr daran es zu finden), aber dann tauchte es doch noch auf, in einem Erd-/Laubhaufen. Die Barndoor Heckklappe! Irgendwie endete die Klappe unter dem Vorderteil des Busses, unter der Frontachse. Erst ganz am Schluss konnte wir sie ausgraben. Die einzige Möglichkeit wie sie dort gelandet sein könnte, wäre die “Entsorgung” des Busses damals. Vielleicht hat der vormalige Besitzer noch den Motor ausgebaut, bevor er den Bus in die Grube stieß, und davor noch die Klappe in die Grube geworfen, den Bus oben drauf?

Wir waren so aufgeregt dieses namensgebende seltene Teil zu finden, wir konnten nicht anders, als für echte “Barndoor”-Fotos zu posieren. (Siehe Video) Das erledigt, räumten wir jedes noch so kleine rostige Teil in Kisten verließen das Grab. Alles gesäubert, nur noch Erde und Laub blieb zurück.

Lunch after done work – romantic Barndoor lid-ambiente inclusive!

DIe Frage ist ein bisschen philosophisch, aber war es uns ethisch überhaupt erlaubt den Bus aus seinem vermeintlichen Grab zu heben? Der Autor dieser Zeilen mein, ja. Warum? Weil er immerhin 50 Jahre dafür warten mussten. Irgendjemand wollte ihn dort entsorgen. Der Bus verdient es, wieder etwas “Liebe” zu erfahren.

The left “graveyard” of the 1952 VW Barndoor Bus

Fahrgestellnummer gefunden? Und was sind die Pläne für den Bus

Über die Produktionsnummer des Getriebes (davon ausgehend es handelt sich um das originale Getriebe) konnten wir das Produktionsdatum des Busses auf Juni 1952 eingrenzen. Leider wurden bis jetzt keine anderen Nummern an Metallteilen gefunden. Die Bereiche, an denen Fahgestellnummern eingeschlagen waren, sind entweder verrostet oder verschwunden. Ein Haufen an unbekannten Metallteilen liegt aber noch herum, vielleicht lässt sich doch noch etwas finden.

Im Moment wird der 52er Bus (ok, Teile davon) wieder in seine ursprüngliche horizontale Position gebracht – zum ersten mal in einem halben Jahrhundert. Zuerst verdreht und am Dach liegend, ist es wirklich schön ihn wieder aufrecht zu sehen. Der aktuelle Plan ist es die Teile im ersten Schritt auf einen Holzrahmen zu befestigen. Wenn der Bus “von alleine stehen kann”, wird der zweite Schritt sein, wieder einen Motor einzubauen und das Wrack auf dem Holzgestellt wieder fahrbar zu machen.

Unfortunetely no identification numbers on the front doors – 1952 VW Barndoor Bus

Nichtsdestotrotz sieht es danach aus, als wäre das Karosserieblech Großteils zu dünn. Ihn wieder zu einem ganzen Bus zu schweißen, scheint momentan unmöglich. Aber wir haben bereits ein paar verrückte Projekte in der Barndoor-Szene gesehen – also sag niemals nie. Es ist jedenfalls nicht auf den Fotos oder am Video sichtbar. Wie dünn und wabbelig das Blech tatsächlich ist und wie schlimm der Rost tatsächlich ist.

Dieser Geschichte fehlt nun noch etwas um das Ende abzurunden.. aber es ist nicht das Ende der Geschichte des 52ers. Es ist vielmehr wie ein Neuanfang! Schaut bald wieder auf air.cool.ed vorbei, um den Fortschritt am Holzkonstruktion-52er zu sehen.

Check further details and more pictures of this find by Austrosplit here ! Click on the following pic!

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